Sicherheitstipps

In den kommenden Wintermonaten nutzen Einbrecher die früh einsetzende Dämmerung zu Einbrüche in Ein- und Mehrfamilienhäuser und Gewerbeliegenschaften.

Interview mit René Bernhardsgrütter

Aus welchem Grund ist die Einbruchrate in den Wintermonaten grösser?

Ein Einbrecher möchte grundsätzlich nicht gesehen werden und bei seinem Delikt Niemandem begegnen. Aus diesem Grund wird die Dunkelheit genutzt, wobei Geschäftsliegenschaften in der Nacht häufiger „besucht“ werden; während in Privathäuser bei Tag oder am frühen Abend während der Dämmerung eingebrochen wird.

Welche Werkzeuge werden bei Einbrüchen häufig eingesetzt?

Häufig werden sehr einfache Hilfsmittel genutzt. Meist nutzen Einbrecher nur im Film und Fernsehen Schweissbrenner, Sauerstofflanzen und Glasschneider. Der grösste Teil der Einbrecher nutzen Werkzeuge die in einer Jackentasche versteckt werden können. In der Regel sind dies Schraubenzieher oder einfache Brechwerkzeuge. Diese werden vom Einbrecher als Hebel genutzt und so lassen sich ungeschützte Türen und Fenster in der Regel in wenigen Sekunden aufhebeln.

Gibt es Möglichkeiten die Sicherheit zu optimieren?

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht! Unsere Technologien sind soweit entwickelt, dass wir einen 57,4 km langen Eisenbahntunnel durch das Gotthardmassiv bauen können. Mit den richtigen Werkzeugen und genügend Zeit lassen sich also auch grosse Hindernisse überwinden. Auf der Grundlage des Sicherheitsbedürfnisses sollten verhältnismässige Schutzziele definiert und umgesetzt werden. Diese Schutzziele sind für jedes Objekt sehr individuell. Wir empfehlen zur Erreichung der Schutzziele mit dem „Drei-Säulen-Prinzip“. Dieses besteht aus

  1. Verhaltensweisen und organisatorischen Massnahmen
  2. Baulich-mechanischen Massnahmen
  3. Elektronische Massnahmen

Dabei gilt es die Massnahmen aufeinander abzustimmen; das schwächste Glied bestimmt die Stärke der „Schutzkette“.

Konkret, welche Massnahmen müssen umgesetzt werden?

Am einfachsten und kostengünstigsten umzusetzen sind die Verhaltensweisen und organisatorischen Massnahmen. Dazu gehört zum Beispiel das bei Abwesenheit Türen und Fenster geschlossen und verriegelt werden. Unbekannte Personen in der Nachbarschaft oder gar in der Mehrfamilien- oder Gewerbehäuser sollen angesprochen werden. Mit einer Zeitschaltuhr kann das Objekt beleuchtet werden und Anwesenheit vorgetäuscht werden.

Zur Realisierung von Baulich-mechanischen Massnahmen (Zusatzverriegelungen, zusätzliche Schlösser, Fenstergitter etc.) empfehlen wir den Beizug einer spezialisierten Sicherheitsfirma. Im Konzept sollten sämtliche Türen und Fenster des Objektes analysiert und einheitlich geschützt werden. Eine Türe mit Mehrpunktverriegelung, Hinterhaken und verstärkten Zargen neben einem ungeschützten Fenster ist in der Regel wirkungslos! Da es sich bei den Anbietern wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen empfehlen wir Offerten von verschiedenen Experten einzuholen.

Die elektronischen Massnahmen (Alarmanlage) sind die sinnvolle Ergänzung im Sicherheitskonzept. Diese erkennen das unbefugte Eindringen von Personen in die überwachten Räume. Damit die Alarmanlage den täglichen Ablauf nicht behindert und erschwert braucht es sehr viel Erfahrung und Fachwissen bei der Erstellung des Konzeptes. Damit Faktoren wie Fehlalarme etc, ausgeschlossen werden können, wird dieses erst nach einer detaillierten Analyse der Abläufe erstellt. Nebst der Ausführung der Alarmanlage vor Ort mit qualitativ einwandfreiem Material ist es unabdingbar, eine Interventionsstrategie zu definieren. Diese muss nebst der Alarmierung im Gebäude mittels Sirene auch die unverzügliche Weiterleitung des Alarmes an eine ständig besetzte Alarmempfangszentrale enthalten. Von dieser müssen umgehend Interventionen von Polizei oder anderen Sicherheitsdiensten ausgelöst werden. Eine reine „Lärmmaschine“ vor Ort welche die ganze Nachbarschaft belästigt ist nutzlos.

Gibt es weitere Punkte, welche berücksichtigt werden müssen?

Jeder Risk-Management-Prozess muss iterativ überprüft werden. Wir empfehlen das Schutzkonzept spätestens nach drei Jahren zu prüfen und zu analysieren. Bauliche Veränderungen; neue Prozesse und Gewohnheiten können auch Einfluss auf die Sicherheit weshalb das Schutzkonzept eventuell angepasst werden muss.

Interview mit René Bernhardsgrütter, Partner der Firma BERNHARDSGRUETTER & EHRENTHAL AG, welche ihren Kunden ganzheitliche Risk-Management-Analysen zur Risikobewältigung und –kalkulierung anbietet.

Kontakt unter info@bernhardsgruetterandehrenthal.com